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Zu wenig Kinderärzte – Familien werden abgewiesen
Von Beat Metzler.

Der Geburtenanstieg macht die Zürcher Kinderärzte zur Mangelware. Erst ab nächstem Jahr dürfen wieder neue Praxen eröffnet werden.

Severin Pflüger wohnt in Neu-Oerlikon und ist Vater eines 13-monatigen Knaben. Das nächste Kind erwartet Familie Pflüger im Dezember. Damit bewegt sie sich im statistischen Mainstream: Seit sieben Jahren zeigen Zürichs Geburtenraten steil nach oben.

Leider halte die medizinische Versorgung nicht mit diesem Anstieg mit, sagt Jurist Pflüger, der auch für die FDP im Gemeinderat sitzt. Er selber hatte Mühe, einen Kinderarzt für seinen Sohn zu finden. Bekannte von ihm, ebenfalls Jung-Eltern, wollten von ihm ein Empfehlungssreiben, um vom gleichen Arzt aufgenommen zu werden. Ein anderes Pärchen habe sogar nach Bülach ausweichen müssen, weil kein Zürcher Arzt ihr Kind in die Behandlung nehmen wollte. Pflüger hat deshalb eine Anfrage verfasst, die er nach den Sommerferien im Gemeinderat einreichen wird. Er will wissen, wie der Stadtrat «die Versorgung der Bevölkerung mit Kinderärzten einschätzt».

Auf dem Land ist die Lage prekärer

«In der Stadt gibt es eher zu wenig Kinderärzte, besonders in Neubaugebieten wie Zürich-Nord», sagt Markus Good, Präsident der Vereinigung der Zürcher Kinderärzte. Auch Beat de Roche, dessen Pädiatrie-Praxis am Albisriederplatz liegt, spricht von einer Knappheit. «Ich muss pro Tag durchschnittlich die Eltern eines Kindes abweisen, die neu zu mir kommen wollen.» Ausserdem sei es schwierig, Ferienvertretungen zu finden. «Und viele meiner Kollegen erzählen mir von einer hohen Arbeitsbelastung.» Noch viel prekärer gestalte sich die Situation auf dem restlichen Kantonsgebiet, sagt Markus Good, der eine Praxis in Bülach führt. Weshalb viele Eltern aus der Agglomeration in der Stadt nach einem Kinderarzt suchten.

Der Hauptgrund für den Mangel heisst Ärztestopp. Die umstrittene Massnahme, um die Gesundheitskosten zu senken, gilt schweizweit seit 2002 und untersagt Fachärzten, neue Praxen zu eröffnen. Obwohl die Geburtenrate im ganzen Kanton seit Jahren steigt, hat die Anzahl der Kinderärzte stagniert. Manche Ärzte nutzten allerdings die Möglichkeit, Assistenten anzustellen.

Mangelnder Nachwuchs

Laut Good hat der Mangel an Kinderärzten weitere Ursachen: Pro Jahr würden nur zwei bis drei Ärzte ihre Fachausbildung im Kinderspital abschliessen. Das sei zu wenig, um den kantonalen Bedarf zu decken. Zudem hat sich der Frauenanteil unter den Absolventinnen auf 80 Prozent erhöht. «Ärztinnen arbeiten später aber oft Teilzeit, weil sie eine Familie haben», sagt Good. Dies verknappe das Angebot weiter.

Der Regierungsrat hat im Mai gehandelt und den Zulassungsstopp für Kinderärzte auf den 1. Juni aufgehoben – mit Ausnahme der Stadt Zürich. Dort will er an der bisherigen Regel wegen der «hohen Ärztedichte» festhalten. Das darf er allerdings nur bis zum 1. Januar 2010. Dann tritt voraussichtlich eine Verordnung des Bundes in Kraft, welche den Stopp für Kinderärzte schweizweit und deshalb auch in der Stadt aufhebt. Die Folgen dieser Gesetzesänderung sind noch nicht absehbar: Beim Kantonsarzt sind seit dem 1. Juni bereits mehr Gesuche für Kinderarzt-Praxen eingegangen als zuvor. Die Vermutung liegt nahe, dass weitere, auch ausländische Ärzte auf den Zürcher Markt drängen werden. «Das lässt sich nicht genau voraussagen. Denn die Anfangsinvestitionen für eine neue Praxis sind sehr hoch», sagt Good.

Eltern mit zu hohen Erwartungen«Es wird zu Veränderungen kommen», stimmen aber viele der angefragten Zürcher Kinderärzte überein. Einer findet auch, dass es bereits genug Kinderärzte auf Stadtgebiet gebe. «Die Eltern haben manchmal zu hohe Erwartungen. Es ist klar, dass man keinen Termin um neun kriegt, wenn man erst um halb neun anruft.» Wer aber längerfristig einen Hausarzt für seine Kinder suche, der finde bereits heute einen.