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Mit «Dächlikappe» sieht man schlecht Zürich

Von Jürg Rohrer

Normierte Bootshäuschen Die Stadt plant an den Leuten vorbei.


Das Hochbaudepartement hält gnadenlos an seiner Kleinbautenoffensive fest. Nächstes Opfer ist der Pier 7, ein weisses, bescheidenes Bootshäuschen mit kleinem Restaurant,
das schon ewig in der Limmat vor der Riviera dümpelt. Seit Jahren hat die Stadt nichts mehr in dieses Häuschen investiert, weil sie es durch eine ihrer expressiven Bootsvermietungen ersetzen will. Das sind die messingfarbenen Pavillons,
die mit ihren unmotiviert in den Himmel weisenden Vordächern – «Dächlikappen» genannt – die Passanten am Seefeldquai, am Utoquai und am Hafen Enge irritieren.
Schon in wenigen Jahren würden sich die Zürcherinnen und Zürcher an die fröhlichen Kragdächer gewöhnt haben und sie als typisches Identitätsmerkmal der Quaianlagen wahrnehmen, stellte der Stadtrat in Aussicht, nachdem das erste Floss mit
Kragdach im Sommer 2006 beinahe zur Titanic geworden wäre – nicht wegen eines Eisberges, sondern infolge Absaufens.

Ruhe im öffentlichen Raum Fröhliche Gewöhnung?
Das war Wunschdenken in Unkenntnis des Publikums. Und es ist vor allem inkonsequent: Die Stadtverwaltung achtet bei privaten Projekten eulenäugig darauf, dass sie die Ruhe des öffentlichen Raums nicht stören. Plakatstellen werden nicht bewilligt mit Verweis auf die schützenswerte Umgebung; Firmen müssen ihre Logos
an ihren Häusern klein halten; Boulevardcafés müssen karg möbliert sein. Als die APG einen schräg gestellten, kegelförmigen Plakatständer namens «Kulturnagel» lancierte,
schrien die Ästheten in den Amtshäusern auf: zu expressiv, zu unruhig im öffentlichen Raum!

Ästhetik von Fall zu Fall
Und jetzt soll ausgerechnet mitten in Zürichs Postkartenidylle – von der Quaibrücke aus gesehen zwischen Fraumünster und Grossmünster – ein überaus expressives und optisch unruhiges Gebilde in die Limmat gestellt werden, das nichts mit den
historischen Bauten rundum zu tun hat. Offensichtlich ändern sich bei der
Stadt die ästhetischen Massstäbe, sobald es um eigene Bauten geht. Niemals
hätte ein Privater seine Firma mit so grossen Buchstaben anschreiben
dürfen, wie es das Schauspielhaus mit seinem Leuchtband getan hat.
Ziel der einheitlichen Kleinbauten am See sei die Corporate Identity, wiederholte die Direktorin der Immobilienbewirtschaftung, Cornelia Mächler, am Mittwoch im TA. Doch
welche Identität soll mit den uniformen Bootsvermietungen, Züri-WC und Kiosken demonstriert werden? Dass sie alle der Stadt gehören? Ist das so wichtig? Und selbst wenn Pedalo, Pipi und Paprikachips irgendwie zusammengehören – musste man deswegen die alten, gemütlichen Bootshäuschen verschwinden lassen?

Gewiss braucht eine Stadt Identität.
Aber die besteht nicht aus «Dächlikappen», sondern aus dem gewachsenen Ortsbild. Das weiss der Stadtrat genau, weshalb er jedes Jahr Dutzende von Gebäuden unter Denkmalschutz stellt. Zu Recht: Man will seine Stadt wiedererkennen, wenn man mal
weg war, und man will nicht ständig seine Umgebung loslassen müssen, wie einem das im persönlichen Leben oft genug zugemutet wird. Denkmalschutz vergrault Gäste
Doch auch beim Denkmalschutz verliert die Stadt gern das Mass und schützt
am Publikum vorbei. Am Neubau der Fischstube am Zürichhorn wird ausgerechnet
die schönste und beliebteste Terrasse weggelassen – die auf der Seeseite. Einzig aus dem Grund, weil das längst abgebrannte Original aus dem Jahr 1939 ebenfalls keine Seeterrasse hatte. Als ob das bei einem Nachbau, der höchstens «wesensgleich
» zum Original sein muss, von Belang wäre. Für die Gäste aber ist es von Belang, dass sie ab 2013 an heissen Sommerabenden die kühlsten Tische mit der Seebrise im Gesicht
und dem Plätschern unter den Füssen nicht mehr vorfinden. Überhaupt wirkt die Stadt im Umgang mit Gastronomie und See unbeholfen und bürokratisch. Richtig ist, dass sie Seefeld und Wollishofen vor noch mehr Sommertrubel schützen will. Aber im unteren Becken wohnt niemand. Am General-Guisan-Quai zwischen den Baumreihen hätte es wunderschön Platz für einen grossen Biergarten mit Leuchtgirlanden. Aber dem Stadtrat ist der Geist des heiligen Arnold Bürkli wichtiger, weshalb der Schutz der Parkanlage Vorrang hat.

Wo bleibt das Seerestaurant?
Oder die naheliegende Idee eines Seerestaurants am Bürkliplatz. Es wäre
ein Renner, wie das Floss während der EM 2008 bewiesen hat. Die Gemeinderäte
Severin Pflüger (FDP) und Daniel Meier (CVP) wollten endlich Nägel mit Köpfen und reichten eine Motion ein für den Bau eines Seerestaurants. Doch der Stadtrat verweist auf das «Leitbild Seebecken», das er mit dem Kanton entworfen hat, und meint, er brauche drei Jahre, um zu prüfen, wie der Raum Bürkliplatz aufgewertet werden könnte und ob das Gastronomieangebot dort verstärkt werden sollte. Drei Jahre, um zu prüfen! Neben der Zuständigkeit Stadt/Kanton oder der Zonierung gelte es auch, die Flachwasservegetation zu berücksichtigen. Rücksicht auf Flachwasservegetation
ist ehrenvoll. Nur hätte man sie sich schon früher gewünscht – vor dem Bau der unseligen Dächli-Ungeheuer.